Mit der Blockflöte zum Bundeswettbewerb

Im November 2018 brach das Landesblasorchester NRW des VMB NRW e.V. zur Teilnahme am 6. Bundeswettbewerb für Auswahlorchester in Trossingen auf und kehrte ausgezeichnet mit dem ersten Platz in der Kategorie „Blasorchester Stufe VI“ siegreich zurück.

Alle vier Jahre organisiert die Bundesvereinigung deutscher Orchesterverbände einen Wettbewerb für Auswahlorchester, der als Leistungsvergleich den künstlerischen Stand der teilnehmenden Amateurensembles ermitteln und einen Austausch zwischen den Orchestern, deren Dirigenten und Organisationsleitern herstellen soll. Nach Bamberg und Siegen als Austragungsort fand die Veranstaltung 2018 im baden-württembergischen Trossingen statt, das für seine Musikhochschule, eine traditionsreiche Musikinstrumentenindustrie sowie verschiedene überregionale musikalische Einrichtungen bekannt ist.

Bereits in der Vergangenheit hat das Landesblasorchester NRW erfolgreich an nationalen und internationalen Wettbewerben teilgenommen. Hervorzuheben sind hier unter anderem die Kürung zum Gesamtsieger beim International Festival of Brass Orchestras im Jahr 2005 in Prag, Tschechien, und der 1. Platz in der Kategorie „Auswahlorchester auf Landesebene“ beim 3. bundesweiten Wertungsspielen für Auswahlorchester 2006 in Trossingen mit Auszeichnung als bestes Auswahlorchester.

Zusammen mit dem gesamten Orchester entschieden sich Dirigent Renold Quade und die organisatorische Orchesterleiterin Danica Dreisbach trotz nicht optimaler Besetzungslage und eines straffen Zeitplans dafür, auch im Jahr 2018 eine Fahrt nach Trossingen zu unternehmen und die Herausforderung eines erneuten Leistungsvergleichs anzunehmen. Im Mittelpunkt dieser Unternehmung standen dabei vor allem Teambuilding und die musikalische Weiterentwicklung des Orchesters. „Unsere Ziele waren es, aus der Routine auszubrechen, sich mit Freude und Engagement überaus intensiv dem Wettbewerbsprogramm zu widmen, überdurchschnittlich zu musizieren, vor Ort neue Impulse zu sammeln sowie sich und seine MitmusikerInnen wieder neu kennenzulernen.“, so Quade.

Wenig Zeit und neue Instrumente

Eine Neuerung im Wettbewerbsjahr 2018 war die Einführung eines Pflichtstücks. Für die Höchststufe (Kategorie Blasorchester Stufe VI), für die sich das LBO angemeldet hatte, bedeutet dies die Erarbeitung des Werks „Bachseits“ von Johannes Stert. Die Eigenkomposition trägt den Untertitel „Eine Fantasie in 3 Sätzen für großes Blasorchester basierend auf Motiven der Ciaccona in d-Moll für Solovioline von J. S. Bach“ und schöpft beinahe das gesamte Spektrum der handelsüblichen Blasinstrumente aus. Dazu zählen nicht nur Kontrabassklarinette und Kontrafagott, sondern auch Sopran- und Altblockflöten. Das Spielen der Blockflöten ist jedoch nicht, wie man vermuten würden, für die Holzbläser vorgesehen: Es wird von den Posaunisten, Tubisten und Euphoniumspielern übernommen!

Diese mussten daher nicht nur an ihren musikalischen Fähigkeiten mit ihrem eigentlichen Instrument feilen, sondern darüber hinaus noch ein weiteres Instrument erlernen. „Ich fand es am Anfang sehr befremdlich und fühlte mich zunächst nicht wirklich wohl, da es ja doch ein kleineres und ganz anderes Instrument ist.“, beschreibt Posaunist Marc Pauels die Anfänge seiner „Karriere“ an der Blockflöte. Durch die enge Zusammenarbeit mit Dirigent und Musikerkollegen konnten die anfänglichen Schwierigkeiten dann doch überwunden werden und es ergaben sich für Pauels sogar ganz neue Blickwinkel: „Im Laufe der Zeit sind wir aber regelrecht zusammengewachsen und haben uns gefunden. So hat es sogar Spaß gemacht, auf einmal ein anderer Bestandteil des Orchesters zu sein.“

 

Neben Bachseits musste der Wettbewerbsjury noch ein weiteres Stück präsentiert werden. Hier entschied sich Dirigent Renold Quade für mehrere Sätze aus der „Hans Christian Andersen Suite“ von Søren Hyldgaard, in der Geschichten über den bekanntesten dänischen Dichter, Hans Christian Andersen, und einige seiner Märchen erzählt werden.

Viel Zeit für die Vorbereitung auf den Wettbewerb blieb dem LBO nach einer ereignisreichen ersten Jahreshälfte mit Stationen in Ahaus zusammen mit Solotrompeter Prof. Peter Mönkediek und in Düren in Kooperation mit dem international renommierten Saxophonisten Prof. Matthias Anton jedoch nicht. Mit nur drei Gemeinschaftsproben und viel Heimarbeit galt es, die beiden Werke zu erarbeiten und wettbewerbstauglich zu machen. Dabei stellten nicht nur die wilden Taktwechseln, gegenläufigen Rhythmen und fragilen Solopassagen der Wettbewerbsstücke das Orchester vor eine große Aufgabe. Als größte Hürde erwies sich die Besetzungssituation, die allein bei Bachseits aufgrund des außergewöhnlichen Instrumentenspektrums eine Herausforderung für sich darstellt. Dank einiger Neuzugänge, insbesondere im Schlagzeugregister, konnte auch dieses Problem gelöst werden, und Dirigent und Orchester freuten sich sehr über neue Gesichter.

„Die Vorbereitung empfand ich als auf den Punkt gebracht. Wenn ich daran zurückdenke, wie die ersten Leseübungen der Literatur durchgeführt wurden, die Analyse der Werke mit der Zeit mehr und mehr das Verständnis reifen ließ und Stück für Stück die Fingerfertigkeit mit jeder Übungsstunde einsetzte, haben wir die Zeit der Vorbereitung absolut effektiv genutzt.“, fasst Trompeter Guido Schnitzler den gesamten Lernprozess vor dem Wettbewerb zusammen.

Dirigent Renold Quade meisterte das Ineinandergreifen komplexer musikalischer Strukturen

Ein anstrengendes, aber zufriedenstellendes Wettbewerbswochenende

Der Wettbewerbsauftritt des Landesblasorchesters NRW wurde auf Samstag, den 10. November, um 9 Uhr morgens in der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung festgelegt. Aus diesem Grund fand die Anreise bereits am Vortag statt. Nach einer kurzen Generalprobe am Freitagabend und nur einer kurzen Einspielübung am Wettbewerbstag stand der entscheidende Moment bevor und es lag am Orchester, die fünfköpfige Jury in Bezug auf Stilempfinden, Intonation, technische Ausführung, Zusammenspiel, Dynamik, Klangqualität sowie Phrasierung und Artikulation zu begeistern. Die gesamte Präsentation dauerte nicht einmal 45 Minuten, doch dann hieß es erst einmal lange Stunden auf die Ergebnisbekanntgabe im Dr.-Ernst-Hohner-Konzerthaus in Trossingen zu warten, die erst in den Abendstunden stattfand.

Dort wurde dem LBO des VMB NRW e.V. dann die Urkunde über die Teilnahme mit sehr gutem Erfolg (88,0 Punkte) überreicht, mit der es den ersten Platz in seiner Kategorie belegt. „Die Erleichterung bei der Verkündung unseres Erfolges konnte man deutlich an meinem ganzen Körper ablesen. Wie ein riesiger Stein fiel die immens große Anspannung von mir ab.“, beschreibt Guido Schnitzler den Moment der Ergebnisbekanntgabe. Der Trompeter äußert sich auch insgesamt positiv zu dieser anstrengenden, aber lehrreichen Erfahrung: „Den Zeitaufwand in jede Probe zu investieren, hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ich bin froh darüber, dieses Wagnis eingegangen zu sein.“

Auch Dirigent Renold Quade zieht ein positives Fazit aus der Wettbewerbsteilnahme: „Schon bevor wir in Trossingen eintrafen, waren die wichtigsten Ziele erreicht. Vor Ort ist es uns dann gelungen, alle positiven Fähigkeiten, die wir eingepackt hatten, auch erfolgreich wieder auszupacken. Wir konnten unser Bestes geben und haben uns selber belohnt. Dazu gehört auch, mit konstruktivem und entspanntem Lächeln mitbekommen zu haben, an welcher Steigerung wir gegebenenfalls noch Spaß haben könnten.“

Das LBO ist durch die Teilnahme am Wettbewerb zusammen- und über sich hinausgewachsen. Auch im neuen Jahr 2019 möchte es sich gemeinsam mit alten und neuen Gesichtern musikalisch weiterentwickeln, neue Konzepte ausarbeiten und seine Rolle als Repräsentationsorchester weiterhin effektiv und innovativ gestalten.

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